2003: 3 Männer im Schnee

Ein Bericht meiner Kanadareise vom 14.Februar bis 09 März 2003. Nach der Kanadareise im Jahr 2000 war klar, dass ich dieses Land nicht zum letzten Mal bereist habe. Igor[Rock] hatte inzwischen mit Rookie[Rock] im September 2001 eine weitere Kanadareise unternommen, die in der Auswahl der besuchten Plätze über weite Strecken mit unserer Reise des Jahres 2000 identisch war. So erschien es nur logisch, dass wir zu Dritt eine gemeinsame Reise planten, die uns zu einer anderen Jahreszeit einmal an andere Plätze des zweitgrößten Landes der Erde führen sollte.

14.02.2003 Erste Planungen zu der Reise fanden bereits im März/April des Vorjahres statt. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand die weitere Entwicklung des Irak-Konfliktes voraussehen. So kam es, dass wir mit British Airways von Köln über London Heathrow nach Toronto reisten, obwohl gerade in dieser Woche mit Terroranschlägen auf den Flughafen in London gerechnet wurde. Das Ergebnis war eine massive Militärpräsenz. Infolge der verschärften Sicherheitskontrollen wurden sogar Rookies Schuhe geröntgt nachdem der Metalldetektor angeschlagen hatte. Die Nervosität war geradezu greifbar. Es war sogar von Luftabwehrraketen die Rede, mit der man einen startenden Jumbojet abschießen könne. So konnten wir alle also beim Start unserer Boeing 747-400 der British Airways, die pünktlich um 12.30 Uhr abhob, ein mulmiges Gefühl nicht verleugnen. Den Daheimgebliebenen hatte ich nur mitgeteilt: »Macht Euch keine Sorgen. Wenn mir was passiert, komme ich wenigstens in den Nachrichten.«.

Toronto

14.-17.02.2003 und 05.-08.2003

Auch diesmal bildete Toronto sowohl den Ausgangs- als auch den Endpunkt unserer Reise. Gleich am ersten Tag besuchten wir den CN-Tower, wobei wir das Glück hatten, unter den ersten Besuchern des Tages zu sein. Auf diese Weise hatten wir den Glasfußboden in 360m Höhe eine Weile für uns alleine. Und bei dem herrlichen, wolkenlosen Himmel haben wir auch gerne die zusätzlichen acht Dollar für den Besuch des Skypods investiert.

Von hoch oben sahen wir dann, dass die Wasserfläche zwischen der Habour Front Torontos und den Inseln mehr oder weniger vereist war und auch das von Toronto entfernte Ufer der Inseln zumindest eine teilweise gefrorene Brandung aufwies. Spontan entschlossen wir uns zu einem Ausflug auf die Inseln, die eigentlich erst in den nächsten Tagen besucht werden sollten. Wir wurden nicht enttäuscht: Am steinigen Ufer hatte das gefrorene Wasser einige schöne Eisformationen geschaffen, wie hoffentlich das nebenstehende Bild zeigt. Andererseits hatte diese Reise auch Ihren Preis: Da wir in der Nebensaison unterwegs waren, verkehren die Fähren nur einmal die Stunde und operieren fast nur noch von einer Anlegestelle aus. So mussten wir hilflos von einer Anlegestelle aus miterleben, wie die Fähre den Anlegeplatz genau am anderen Ende der Inseln ansteuerte. Der Pendelbus, der uns rechtzeitig zur richtigen Anlegestelle gebracht hätte, fuhr uns quasi vor der Nase weg.
 
Das Manulife Building (Ecke Younge Str./ Bloor Str.) wird auch als »Poor Man´s CN Tower« bezeichnet. Im 51. Stockwerk des Gebäudes befindet sich eine Bar, die einem in den Abendstunden einen atemberaubenden Ausblick auf Downtown Toronto bietet. Gerade bei klarem Wetter ein absolutes Must-Have-Seen.
 
Im Jahr 2000 haben wir das Ontario Science Center besichtigt und dabei feststellen müssen, dass ein Tag zur Besichtigung des ganzen Museums nicht ausreicht, zumal zahlreiche Exponate zum Ausprobieren einladen und viele Vorführungen gegeben werden. Unser erneuter Besuch war daher ein willkommener Anlass, hier Versäumtes nachzuholen und nochmals die Highlights unseres letzten Besuches zu besichtigen. Wieder einmal kamen wir zu dem Schluss, dass ein Tag für das Science Center zu knapp bemessen ist.

Die Hockey Hall Of Fame in unmittelbarer Nachbarschaft zum BCE-Place ist einen Besuch wert. Das Museum ist ganz auf den Eishockeysport ausgerichtet und widmet Wayne Gretzky, einem kanadischen Ausnahmespieler, der nahezu jeden Rekord innehat, eine ganze Abteilung. Wer Glück hat, kann auch den berühmten Stanley-Cup bewundern, der in der stilvollen Haupthalle des Gebäudes ausgestellt ist.
 
Der architekturinteressierte Besucher kann die City Hall besuchen. Von dem markanten Design des Gebäudes leitet sich das Logo der Stadt ab. Zudem diente es inszwischen als Kulisse für den Film »Resident Evil 2« In der Haupthalle kann sich der Besucher frei bewegen und anhand eines Merkblattes, das in vielen Sprachen zur Verfügung steht, die Besonderheiten der Stadtverwaltung erkunden. Wer der Architektur der sechziger Jahre kaum etwas abgewinnen kann, kommt dennoch auf seine Kosten: Man einen Blick in das Vorzimmer des Bürgermeisters werfen, dessen Amtskette dort gut sichtbar ausgestellt ist. Ebenso befindet sich ein recht großes Modell der Innenstadt im Gebäude. Obwohl das Godderham Building zum Beispiel recht klein ist, lässt es sich anhand seiner markanten Bügeleisenform auf dem Modell leicht ausmachen. In natura ist das Gebäude allerdings ebenfalls sehenswert.

 Niagarafälle

16.02.2003

Die Niagarafälle haben wir ebenfalls bereits im Jahr 2000 besucht. Da wir diesmal jedoch im Winter in Kanada unterwegs waren, wollten wir die Fälle auch zu dieser Jahreszeit einmal sehen. Diesmal fuhren wir jedoch nicht mit Jo-Jo-Tours, sondern einem anderen Veranstalter. Eine Wahl, die wir sehr bald bereut haben: Die Fahrt fand mit einem klapprigen ehemaligen Schulbus statt, dessen Heizung ausgefallen war. Folglich waren die Seitenscheiben des Busses ständig mit Eisblumen überzogen, so dass nicht abzuschätzen war, wo wir uns gerade befanden. Außerdem ließ uns der Fahrer nicht unmittelbar an den Fällen aussteigen, sondern in der Stadt Niagara Falls. Somit verbrachten wir einen Teil unseres zweistündigen Aufenthaltes an den Fällen mit dem Weg dorthin und wieder zurück. Das ganze bei deutlichen Minusgraden und - bedingt durch die Fälle - einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Dennoch war die Tour der Mühen wert: Im Winter schlägt sich die Gischt der Fälle in der unmittelbaren Umgebung nieder und überzieht alles mit einer Eisschicht. Auch befinden sich vor den Fällen im Fluss wahre Berge aus Eis.

Vancouver

17.02.-21.02.2003

Von Toronto aus reisten wir mit tango, einem preiswerten Ableger von Air Canada, nach Vancouver. Gleich am Ankunftstag konnten wir bei einem ersten Erkundungsspaziergang durch Downtown bei herrlichem Wetter einige schneebedeckte Gipfel der nahen Berge ausmachen. Bedauerlicherweise hatten sowohl Igor als auch ich unsere Kameras im Hostel gelassen. In den folgenden Tagen bescherte uns der Pazifik mit ständig bewölktem Himmel und gelegentlichen Regenschauern. Die Berge sollten wir in Vancouver also nicht mehr sehen.

Dennoch haben wir in Vancouver viel unternehmen können. Downtown Vancouver liegt auf einer Halbinsel, die überdies zur Hälfte durch den Stanley Park, einem Naherholungsgebiet, eingenommen wird. Hier bietet sich reichlich Gelegenheit, ausgiebig spazieren zu gehen und zahlreiche Bänke laden zum Verweilen ein. Das Vancouver Aquarium im Stanley Park beherbergt neben der nahezu üblichen Sammlung von Meerestieren einige Belugawale. Auch hier vergeht der Tag wie im Fluge, zumal auch zahlreiche Vorführungen gegeben werden.
 
Aufgrund des unstabilen Wetters haben wir nach Möglichkeiten gesucht, unsere Zeit in geschlossenen Räumen zu verbringen. Auf diese Weise entschlossen wir uns, die Science World British Columbia zu besichtigen. Wir erwarteten ein ähnlich gutes Museum wie das Ontario Science Center vorzufinden, stießen jedoch lediglich auf einen zu groß geratenen Kindergarten, der für Erwachsene den Eintritt nicht rechtfertigt.
 
Auch die Vancouver Art Gallery ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack: Eine ständige Ausstellung scheint es dort kaum zu geben und wir hatten so das zweifelhafte Vergnügen auf mehreren Etagen (Was keineswegs bedeutet, dass das Museum groß ist) zahlreiche Exponate moderner Kunst zu sehen, zu der wir einfach keinen Zugang fanden. Alte Meister suchten wir vergeblich.

Ein touristisches Muss ist jedoch ein Spaziergang in Gastown. Obwohl wir zur absoluten Nebensaison unterwegs waren, konnte man recht gut erahnen, was im Sommer in diesen Straßen los sein muss: Hier drängelt sich ein Souvenir-Shop an den anderen. Was die Sehenswürdigkeiten angeht, blieb uns wenigstens das Pech treu. Die Steam Clock, eine Standuhr, die zu jeder vollen Stunde dampfbetrieben die Big-Ben-Melodie pfeift, war infolge eines Verkehrsunfalls in der Vorwoche erstmalig seit über 25 Jahren außer Betrieb. Wenigstens stand die Bronzestatue von Gassy Jack, einem stadtbekannten Großmaul, der in Gastown einige Saloons betrieb, aber noch an seinem Platz.
 
Nur wenige Gehminuten von Gastown entfernt liegt Chinatown. Ein großes Tor, das die West Pender Street überspannt, bildet den Eingang zu einer anderen Welt. Auch hier bietet sich ein Spaziergang geradezu an.
 
Zu guter Letzt haben wir noch Granville Island besucht. Hier war uns allerdings die örtliche kleine Brauerei etwas wichtiger als die zahlreichen Geschäfte. Nach einer Brauereibesichtigung haben zumindest Igor und ich einer etwas größeren Menge des dort gebrauten Bieres verkostet.

Prince Rupert

21.02.-26.02.2003

Wie gut, dass wir uns bei der Ankunft in Vancouver gleich nach dem Abflugterminal für unseren Flug nach Prince Rupert umgesehen haben: Der Abflug mit der regionalen Fluggesellschaft Hawkair, die ganze drei Maschinen ihr eigen nennt, fand vom Südterminal statt, der mit dem angebotenen Busshuttle locker 15 min. von den Vancouver International Airport entfernt liegt. Von Südterminal operieren ausschließlich kleine, regionale Fluggesellschaften, von denen Hawkair wohl noch die größte ist. Die Flugzeuge sind natürlich dementsprechend dem überschaubaren Passagieraufkommen angepasst. Wir flogen also wieder mit einer Dash 8, ein Modell, das mir von meiner ersten Kanadareise noch gut in Erinnerung ist. Leider war der Himmel an Flugtag recht bewölkt, so dass wir vom Flug lediglich einige Blicke auf schneebedeckten Gipfel der Küstenberge erhaschen konnten. Als wir uns jedoch Prince Rupert näherten, klarte es merklich auf. Der Flughafen von Prince Rupert liegt auf einer kleinen vorgelagerten Insel. Dementsprechend staunten wir nicht schlecht, als wir unser Gepäck nicht am Flughafen erhielten, sondern nach einer kleinen Bus- und Fährfahrt vor dem innerstädtischen Büro der Fluggesellschaft.

Für mich stellt unsere Zeit in Prince Rupert eines der absoluten Highlights der Reise dar. Großen Anteil am Erfolg hatte die das örtliche B & B, in dem wir uns einquartiert hatten. Hier hatten wir die mit Abstand besten Zimmer unserer gesamten Reise zur Verfügung. Das gute und reichhaltige Frühstück werden wir in ebenso guter Erinnerung behalten, wie die ausführlichen Gespräche mit den Vermietern. Auf diese Weise erfuhren wir eine Menge Wissenswertes über die Gegend. Der Ort selbst hat 17.500 Einwohner und derzeit ein kleines Strukturproblem. Nachdem die örtliche Papiermühle geschlossen hat und die Fischerei merklich zurückgegangen ist, kämpft der Ort mit einer hohen Arbeitslosigkeit. Inzwischen ist man dabei, den Tourismus als Einnahmequelle zu erschließen. Das deutlichste Zeichen ist ein kürzlich neu erbautes Museum über die Geschichte der Gegend, in dem überwiegend die indianische Kultur dargestellt wird. Das Museum of Northern B.C. ist bedeutend größer, als es von außen erscheint: Der Eintritt lohnt sich also in jedem Fall.

Zur Hauptsaison finden sich auch zahlreiche Angebote, die umliegende Gegend zu erkunden. Gleichzeitig kann man zum Whale-Watching auf das Meer hinausfahren oder im Binnenland Bären beobachten. Zu unserer Reisezeit wurde freilich noch nichts von alledem angeboten, zumal die Bären noch im Winterschlaf waren und die Wale sich in anderen Gewässern aufhielten. Dennoch haben wir eine überwältigende Natur erlebt, die auf diesen Bildern nur unzureichend wiedergegeben werden kann.
 
Da das nördliche British Columbia recht dünn besiedelt ist, können einige Orte nur auf den Luft- bzw. Wasserweg erreicht werden. So kommt es, dass in Prince Rupert einige Gesellschaften angesiedelt sind, die die entlegenen Orte mit Flügen bedienen. Im Einsatz sind vornehmlich Wasserflugzeuge, die auch preiswerte Mitflugmöglichkeiten bieten. Es liegt auf der Hand, dass wir also 140 Dollar für einen Flug zum Indianerdorf Kitkatla investierten. Der Flug bei klarem Wetter war unbeschreiblich. Im Vordergrund die baumbestandene Insellandschaft der Pazifikküste, im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Küstenberge. Da der Pilot sah, dass ich eine Kameratasche dabei hatte, hat er mich aufgefordert, auf dem Copilotensitz seiner De Havilland DHC3, Baujahr 1964 Platz zu nehmen.

Stewart / Hyder

23. & 24.02.2003

Um das nördliche British Columbia ein wenig näher zu erkunden, haben wir einen Mietwagen genommen. In Anbetracht unserer Reisezeit und des ungewissen Straßenzustandes in den Bergen bestand ich auf ein Allradfahrzeug. Unser gemieteter Jeep Liberty 3,7 (Er wird hierzulande als Jeep Cherokee vertrieben) erwies sich zwar mit geschätzten 17l auf 100 km als echter Schluckspecht, aber bei Benzinpreisen von etwa 80-85 Cent (entspricht ca. 50 Eurocent) pro Liter war das nicht wirklich wichtig. Dafür sah unser flammrotes Fahrzeug neben den schweren Pick-Ups der Einheimischen geradezu wie ein Kleinwagen aus. Ein Bewohner von Stewart nannte das Fahrzeug daraufhin auch »Cute Little Devil« (Süßer kleiner Teufel).

Unsere Fahrt führte entlang des Flusses Skeena über Terrace nach Kitwanga, wo wir den Highway Nr. 16 verließen und nordwärts durch 130 km Wildnis fuhren. Hier lag dann auch schon deutlich mehr Schnee. Lediglich einigen Holz-LKW, denen man tunlichst Vorfahrt einräumen sollte, begegneten wir unterwegs. Bei dieser Fahrt war der Weg das Ziel. Manches Mal hielten wir unterwegs an, um die atemberaubende Landschaft auf uns wirken zu lassen, kamen wir doch unter anderem an einem Gletscher vorbei. Auch das Wetter meinte es gut mit uns: Der Himmel konnte kaum klarer sein. Am frühen Nachmittag erreichten wir Stewart, ein Grenzort zu Alaska. Klar, dass wir am nächsten Tag kurz in die U.S.A. einreisten, um einen Abstecher nach Alaska zu machen. Hier zeigte sich, dass ein Allradfahrzeug auch bitter nötig war. Das Beweisfoto dürfte eines der wenigen Bilder auf dieser Webseite sein, auf denen der Autor dieser Zeilen auch mal abgebildet ist. In der Nähe von Hyder ist ein weiterer Gletscher zu besichtigen, den wir uns jedoch aus Zeit- und Witterungsgründen nicht näher angesehen haben.

The Skeena

26.02. & 27.02.2003

Ein langgehegter Traum war eine Eisenbahnreise durch die Rocky Mountains. Als ich bei der Reiseplanung diesen Wunsch geäußert habe, stimmten mir Igor[Rock] und Rookie[Rock] bald zu. Unsere erste Idee, von Vancouver nach Toronto mit dem Canadian zu fahren, haben wir jedoch nach Einsicht in den Fahrplan bald verworfen. Der Zug fährt abends in Vancouver los und kommt am anderen Tag gegen Mittag in Jasper an. Somit bleiben die Rockies größtenteils im Dunkeln. Eine sehr gute Alternative stellt der Skeena dar, der von Prince Rupert ebenfalls nach Jasper fährt. Bei diesem Zug handelt es sich um einen reinen Sightseeing-Zug, der über Nacht in Prince George Station macht.

Der Zug startet bereits morgens in Prince Rupert und fährt über eine weite Strecke entlang des Skeena River, nachdem er benannt wurde. Wenn das Wetter mitspielt, hat man wieder die Gelegenheit, die tolle Aussicht auf die Coastal Mountains zu genießen. Wenn der Zug sechs Stunden später in Smithers Station macht, beginnt ein etwas langweiligerer Abschnitt der Reise: Der Zug führt durch die Hochebene, die zwischen den Coastal Mountains und den Rocky Mountains liegt. Hier gibt es nicht ganz so tolle Aussicht, aber dafür entschädigt der Streckenabschnitt am zweiten Tag jedoch völlig. Vor allem die letzten beiden Stunden, wenn sich der Trasse in die Berge hineinschraubt, sind geradezu spektakulär: Man fährt im Blumenpflücktempo am Mount Robson, mit fast 4000m der höchste Berg der Kanadischen Rocky Mountains, vorbei und überquert am Yellowhead-Pass die Grenze zwischen British Columbia und Alberta.
 
Ein Wort noch zu dem Service: Wir waren lediglich eine Handvoll Reisende im Zug, was zur Folge hatte, dass das mitreisende Personal recht wenig zu tun hatte. So entwickelte sich der Barkeeper des Aussichtswagens zum Touristenführer, in dem er sehenswerte Punkte hervorhob und gelegentlich eine Geschichte zum Besten gab. Wir hatten das Pech, dass kurz vor Prince George eine Weiche eingefroren war. So mussten wir nahezu zwei Stunden auf der Strecke warten, bis Bahnbedienstete die Weiche vom Eis befreit hatten. Da wir jedoch im Art-Deco-Salonwagen recht komfortabel warteten, machte uns dies nicht allzu viel aus. Plötzlich kam eine Bahnbedienstete und erkundige sich, ob Sie jemanden in Prince George über unsere Verspätung informieren müsse. Auf diese Weise erfuhr das Hotel von unserer späten Ankunft. Als Entschädigung für die aufgelaufene Verspätung gab die Bordbar anschließend alle nichtalkoholischen Getränke umsonst aus. Auf derartige Aufmerksamkeiten hofft man bei der Deutschen Bundesbahn vergebens.

Jasper

27.02. - 01.03.2003

Zahlreiche Andenkenläden legen in Jasper Zeugnis davon ab, dass der Ort mit seinen 7500 Einwohnern ganz klar auf Tourismus ausgerichtet ist. Andererseits liegt der Ort inmitten der Rocky Mountains zwischen den Nationalparks Banff und Jasper, was eine touristische Vermarktung der tollen Landschaft geradezu verlangt. Einige der berühmtesten Fotomotive Kanadas, wie zum Beispiel Spirit Island im Lake Maligne liegen in dieser Gegend. Die Freizeitangebote sind vielfältig und verlangen gelegentlich nach besonderer finanzieller Beweglichkeit. Von einfachen Skifahrten über eine Snowmobiltour, Hundeschlittenfahrt bis hin zu Hubschrauberrundflügen ist hier alles zu haben.

Wir entschieden uns dafür, ein kleines Naturwunder im Nationalpark Jasper zu besichtigen: Der Maligne Canyon, der im Winter komplett zufriert und eine bizarre und wunderschöne Eislandschaft bildet. Weil man sich im Naturschutzgebiet bewegt, ist der Zugang zu dem Canyon nur mit geführten Touren möglich. Die erforderliche Ausrüstung (Stiefel und Spikes) wird gestellt.
 
Eine lokale Brauerei heißt übrigens »Big Rock«, deren verschiedene Erzeugnisse in Jasper angeboten werden. Damit stand unsere Getränkeauswahl für den abendlichen Pubbesuch fest. Rookie nahm ein Ale, Igor und Ich haben ein Weißbier namens »Grasshöpper« verkostet.

The Canadian

01. - 02.03. und 04. - 05.03.2003

Der Canadian ist der Luxusreisezug Kanadas schlechthin und fährt in knapp fünf Tagen von Vancouver nach Toronto. Wenn wir schon in Kanada mit dem Zug unterwegs waren, dann wollten wir uns auch dieses Erlebnis nicht nehmen lassen. Wir stiegen in Jasper zu und reisten mit einer Unterbrechung in Winnipeg die 3.800 km bis Toronto. Da wir auch im Zug übernachteten, haben wir uns in der ersten Klasse, der so genannten Silver & Blue Class, einquartiert, damit wir vernünftige Liegeplätze hatten, während die Reisenden der zweiten Klasse allenfalls die Sitze umklappen konnten. Die Aussichtswagen waren uns von der Struktur bereits vom Skeena bekannt. Die im Reisepreis enthaltenen Menüs des Speisewagens erwiesen sich als sehr gut. Da man das Essen auf Porzellantellern servierte und an jedem Platz echtes Silberbesteck auslag, hatte das ganze mehr von einem Gourmetrestaurant als einem Speisewagen.
 
Kanada erlebte zu dieser Zeit einen selbst für kanadische Verhältnisse ungewöhnlich kalten Winter. Als ich am nächsten Morgen im Zug zur Dusche (!) schritt, war es dann vorbei mit dem Luxus. Wie sich zeigte, waren über Nacht die Wassertanks des Zuges eingefroren, so dass weder die Dusche, noch Waschbecken und Toilettenspülung (Igitt) in unserem Wagen funktionierten. Das Problem bekam das Zugpersonal auch nicht in den Griff, so dass wir froh waren, als wir diesen Zug mit dreistündiger Verspätung in Winnipeg verlassen konnten. Dabei hatten wir noch Glück: Auf unserer Zugfahrt von Winnipeg nach Toronto erfuhren wir von einem Bahnbediensteten, der unterwegs zustieg, dass der Zug, den wir in Winnipeg verlassen hatten, an seinem Kontrollpunkt bereits zwölf Stunden Verspätung angehäuft hatte: Epische Strecken verlangen halt epische Verspätungen. Unser Zug von Winnipeg nach Toronto war jedoch ordnungsgemäß und pünktlich, so dass wir diesen Teil der Reise unbeschwert verbringen konnten.

Winnipeg

02. - 04.03.2003

Wenn wir Kanadiern erzählten, dass uns unsere Reise auch nach Winnipeg führen sollte, ernteten wir stets mitleidige Blicke. Kanadier nennen die Stadt gelegentlich auch »Winterpeg«. Andererseits wollten wir im Winter auch mal dahin, wo es richtig kalt ist. Bei unserem Aufenthalt hatten wir bei -25° Celsius Lufttemperatur und ein Windchill von -40° Celsius. Damit war klar, dass wir uns nicht allzu lange im Freien aufhalten konnten. Winnipeg hat auch wie Toronto ein in der Innenstadt vernetztes Wegesystem, das dem Besucher ermöglicht von einem Gebäude in ein anderes zu gelangen, ohne in das Freie zu treten. Da das Wegesystem im Gegensatz zum PATH nicht unterirdisch, sondern auf Höhe des ersten Stocks verläuft, nennt man das System hier Skywalk. Außerdem ist der Skywalk bei weitem nicht so ausgeprägt und war zum Zeitpunkt unseres Besuches infolge einer Baustelle an einem maßgeblichen Knotenpunkt unterbrochen.

Unsere Planung lief darauf hinaus, dass wir uns einige Museen ansehen wollten. Aber hier hatte uns das Zeitgefühl Anfang der dritten Woche völlig verlassen. Wir waren zu dritt der vollen Überzeugung, an einem Sonntag die Museen aufzusuchen, mussten aber bald feststellen, dass wir tatsächlich Montag hatten und uns allenfalls die Ausstellung »Montags geschlossen« ansehen konnten. So machten wir dennoch einen Spaziergang durch die Stadt und liefen über einen der zugefrorenen Flüsse, auf der neben einer Schlittschuhbahn auch ein Eishockeyfeld präpariert war. An der Mündung des Red River und des Assiniboine River liegen unweit der Eisenbahnstation »The Forks«, mehrere Hallen mit zahlreichen kleinen Läden, die zum Stöbern einladen. Hier haben wir unseren Rundgang durch die Stadt dann auch beendet und das ein nahe gelegenes Drehrestaurant aufgesucht. Hier verbrachten Igor und ich mehrere Runden bei Labatt Blue, einem einheimischen Pilsener, und beobachteten, wie langsam die Nacht über Winnipeg hereinbrach.

Wie bereits erwähnt, war Igor[Rock] mehrfach in Kanada. Mehr Bilder gibt es folglich auf Igors Homepage, auf der er auch von seinen anderen Reisen berichtet und eine persönlichere Beschreibung der hier beschriebenen Reise liefert.