2012 Nova Scotia

Stefan Giesen, mit dem ich bereits mehrfach verreist bin, ist im Oktober 2010 nach Kanada ausgewandert. Also besuchte ich ihn im August 2012 für drei Wochen in seiner neuen Wahlheimat.

04.08.2012 Meine letzte Kanadareise 2003 lag immerhin schon rund 9 Jahre zurück, so dass ich mich sehr auf die bevorstehende Reise freute. Eine grobe Reiseplanung nahmen wir im Mai 2012 vor, als Stefan Deutschland besuchte. So trat ich die Reise an und hatte lediglich den Flug gebucht sowie eine grobe Verstellung dessen, was mich in den kommenden Wochen erwartete. Ein Minimum an Vorbereitung, ein Maximum an Vorfreude.

Da ich mit der Bahn nach Frankfurt reiste, hatte ich üppige Zeitpolster eingeplant, so dass ich bereits kurz vor Mittag in Frankfurt eingetroffen bin, obwohl der Flug selbst erst am späten Nachmittag starten sollte. Dies erwies sich als Glücksfall, weil ich meine beiden Koffer noch ohne Wartezeit aufgeben konnte, während sich kurz darauf eine lange Schlange vor den Schaltern der Fluggesellschaft bildete. Das Flugzeug stand nicht direkt am Terminal, sondern ein wenig außerhalb. Ein erforderlicher Bustransfer führte an Flugzeugen vorbei, die bereits zur Startbahn rollten.
Der Flug mit der Boeing 767-300 ER der Fluggesellschaft Condor verlief unspektakulär. Da es sich um einen Direktflug von Frankfurt nach Halifax handelte, betrug die Flugzeit nur rund 7 Stunden. Nach dem Aussteigen warf ich einen letzten Blick auf das am Terminal stehende Flugzeug bevor ich die notwendigen Einreiseformalitäten erledigte. Stefan nahm mich dann am Gate in Empfang und fuhr mit mir zu seiner Wohnung in Halifax. Aufgrund der Zeitverschiebung (-5 Stunden) war es dort erst früher Abend, so dass wir gleich einen Besuch in einem örtlichen Pub machten, den wir im Laufe der Reise noch öfter besucht haben: Das Henry House.

15.08.2012 Mitten in der Stadt befindet sich auf einem Hügel die alte Festungsanlage von Halifax: Die sogenannte Zitadelle. Wer jedoch eine spektakuläre Außenansicht mit trutzigen Maueren erwartet, wird enttäuscht. Der gesamte Festungsanlage wurde zum Schutz vor gegnerischem Geschützfeuer unterhalb des Bodenniveaus angelegt. Dennoch ist der Besuch der Zitadelle ein touristisches Muss: Im Inneren der doch recht weitläufigen Anlage befinden sich zahlreiche Räume, die das Leben der dort stationierten Saldaten noch zeigen. Zahlreiche Stationen sind mit fachkundigem Personal besetzt, so dass man in den Räumen auch persönliche Erklärungen zu den jeweiligen Exponaten erhält. Ein kleines Museum zur Militärgeschichte kann ebenfalls besicht werden.
Da auch heute noch Soldaten in der Zitadelle stationiert sind, kann der staunende Besucher auch den historisch eingekleideten Soldaten beim Exerzieren zusehen. Ein Dudelsackspieler (ebenfalls Soldat) erinnert daran, dass Halifax die Provinzhauptstadt von Neuschottland ist. Ein weiteres Highlight ist die sogenannte Noon Gun, eine alte Kanone, die pünklich jeden Mittag abgefeuert wird und so die Zeitangabe vermittelt.

Ein Wahrzeichen der Stadt Halifax ist der Uhrturm, der sich nur unweit der Zitadelle befindet. Von dort unternahmen wir einen ausgiebigen Spaziergang durch die Innenstadt und entlang der Habourfront, einem interessanten und lebendigen Viertel direkt am Wasser. So konnte ich einen ersten Blick auf die im Hafen befindlichen Schiffe werfen, von denen zwei auch besichtigt werden können. Dies war aber für die kommenden Tage vorgesehen.
Gegen Abend kehrten wir dann bei Alexander Keith ein, einer in ganz Kanada bekannten Brauerei.

16.08.2012 In den nächsten Tagen war eine Rundreise durch den südlichen Teil von Nova Scotia geplant, so dass wir den Tag hauptsächlich für Reisevorbereitungen genutzt haben. Am Nachmittag besuchten wir das Museumsschiff HMCS Sackville, einen der letzten noch existieren Zerstörer aus dem zweiten Weltkrieg. 

17.08.2012 Dieser Tag stand ganz im Zeichen des Hafenviertels. Neben zahlreichen kleinen Läden, die zum Stöbern einladen, befindet sich auch das "Museum Of The Atlantic" direkt an der Harbourfront. Hier werden zahlreiche Modellen von Kreuzfahrtschiffen (Ein besodnerer Schwerpunkt bilden dabei die Schiffe der in Halifax beheimateten Cunard-Linie) gezeigt. Zudem gibt es auch eine Ausstellung, die sich dem Untergang der "Titanic" und insbesondere den sich daran anschließenden Rettungs- bzw. Bergungsfahrten widmet. Ein weiterer Teil des Museums dokumentiert die verheerende "Halifax Explosion" vom 06.12.1917, als ein französisches Munitionsschiff nach einer Kollision mit einem belgischen Schiff brennend in den Hafen trieb und dort explodierte. Das Unglück, bei dem rund 2000 Menschen starben und über 9000 verletzt wurden, gilt als die größte vom Menschen verursachte Explosion vor der Atombombe. Des weiteren gehört auch das Vermessungsschiff "Arcadia" zum Museum, welches vor dem Gebäude vor Anker liegt und im Rahmen des Museumsbesuchs ebenfalls besichtigt werden kann.
Ein Spaziergang entlang der Harbourfornt ist aber auch im Hinblick auf die dort vor Anker liegenden Schiffe interessant. So kann eine Hafenrundfahrt sowohl mit dem Segelschiff "Tall Ship Silva" als auch mit der "Mar" unternommen werden. Für Kinder eher interessant ist der Hafenschlepper "Theodore Tugboat", der aus einer kanadischen Kinderfernsehserie stammt.

18.08.2012 An diesem Tag startete unsere kleine Rundreise duch das südliche Nova Scotia. Nicht weit von Halifax entfernt befindet sich das kleine Fischerdorf Peggy´s Cove, dessen Leuchtturm zu den meistfotogafierten Motiven in der Region zählt. Allerdings ist es an der Südküste oftmals nebelig, so dass auch wir an diesem Tag eher einen trüben Blick auf den Leuchtturm hatten. Zu allem Überfluß fiel mir meine Gegenlichtblende aus der Hand, so dass ich hilflos mit ansehen musste, wie das Kunststoffteil den Granitfelsen hinunterrollte und im Atlantik verschwand. Wir beschlossen, bei besserem Wetter wieder zu kommen und setzten unsere Fahrt fort.
Nur unweit von Peggy´s Cove befindet sich ein Mahnmal, dass an den Absturz der einer SwissAir-Maschine im Jahr 1998 erinnert. Wir passierten das Mahnmal auf unserem weiteren Weg.

In dem Ort Mahone Bay machten wir kurz Station. Das wohl meist fotografierte Motiv des Ortes dürften die drei Kichen sein, die nebeneinander direkt am Ufer stehen. Auch wir ließen es uns nicht nehmen, an dieser Stelle auf den Auslöser zu drücken, bevor wir nach einem kurzen Rundgang unsere Fahr nach Lunenburg, unserem Tagesziel, fortsetzten.
In Lunenburg suchten wir kurz die örtliche Touristeninformation auf, die uns bei der Quartiersuche behilflich war. Schnell kamen wir in einem sehr guten örtlichen B&B unter, bevor wir am frühen Nachmittag die nahe gelegenden Blue Rocks, einer interessanten Küstenregion, die im Gegensatz zum sonst in der Region vorherrschenden Granit ausnahmsweise aus Schiefer besteht, erkundeten. Auf dem Rückweg zum B&B machten wir noch an dem Schulgebäude von Lunenburg Station, bevor wir in einem örtlichen Pub zum Abendessen einkehrten.

18.08.2012 Lunenburg ist ein Ort, der mehrheitlich von deutschstämmigen Auswanderern gegründet wurde und einen besonderen Ruf im Bereich des Schiffbaus geniesst. Neben dem ohnehin deutsch klingendem Ortsnamen wird dies an mehreren Stellen des Ortes offensichtlich. Unser morgendlicher Rundgang führte durch den Ort zum Hafen und auch zu der aktuellen Rekonstruktion des in Kanada berühmten Segelschiffs "Blue Nose II", dessen Stapellauf für Ende September 2012 geplant wurde.
Von Lunenburg aus setzen wir unsere Fahrt entlang der sogenannten Lighthouse Road fort. Unterwegs genossen wir immer wieder die sehenswerte Landschaft. Den ersten Leuchtturm des Tages sahen wir in Port Medway. Nebenbei fotografierte ich noch einen Distelfalter.
Kurz vor Shelburne passierten wir noch den kleinen Leuchtturm bei Sandy Point, bevor wir in Shelburne unser Nachtquartier aufsuchten.

19.08.2012 Bevor wir unsere Reise entlang der Lighthouse Road wieder aufnahmen, machten wir einen kurzen morgendlichen Spaziergang durch Shelburne. Auf unserer weiteren Fahrt machten wir an den Leuchttürmen von Baccaro und Pubnico Station, während wir den Leuchtturm von Cape Sable vergeblich suchten.
Am frühen Nachmittag erreichten wir Yarmouth, einem größeren Touristenort an der Westküste. Unsere Quartiersuche gestaltete sich ein wenig aufwändiger als gewohnt, aber schließlich kammen wir in einem bezahlbaren Motel unweit der Ortsmitte unter. Nur unweit des Orts befindet sich der Leuchtturm von Cape Forchu, der mit Sicherheit der imposanteste Leuchttürmen unserer Reise darstellt. Da wir das Geände am frühen Abend aufsuchten, konnten wir uns weitestgehend ungestört bewegen.
Als wir dann etwas später vom Motel aus in die Stadt gingen, erlebten wir einen spektakulären Sonnenuntergang.

20.08.2012 In Yarmouth endet die Lighthouse Road und der Evangeline Trail beginnt. Namensgeber dieser Route ist Dichtung "Evangeline, A Tale of Acadie" von Henry Wadsworth Longfellow, die von der Vertreibung der französichstämmigen Arkadier durch die Briten während des siebenjährigen Krieges Mitte des 18. Jahrhunderts handelt. Dabei folgt die Geschichte dem fiktiven Schicksal einer jungen Frau namens Evangeline Bellefontaine, die während der Deportation von ihrem Geliebten getrennt wird und ihr gesamtes übriges Leben damit verbringt, ihn wiederzufinden. Während die Dichtung hierzulande nahezu unbekannt ist, scheint sie im englischsprachigen Raum einen hohen Bekanntheitsgrad zu besitzen. Ich kann natürlich keine konkreten Bezugspunkte zwischen dem Werk und den von uns besuchten Orten herstellen, da ich nur um die Existenz der Dichtung weis, diese aber bislang nicht gelesen habe. Die Geschichte der Vertreibung der Arkadier ist vor Ort jedoch allgegenwärtig.
Auf unserem Weg nach Norden machten wir zunächst in Cape St.Mary Station. So ganz kommen wir also von den Leuchttürmen nicht los...
Nur wenig später erreichten wir Church Point, deren namensgebende Marienkirche eine Attraktion für sich ist. Es handelt sich dabei um die größte aus Holz gebaute Kirche Nordamerikas. Vor Ort erfuhren wir, dass der zuständige Baumeister ein Analphabet war. Doch nicht nur das: Der Maler der Deckengemälde litt zudem unter Höhenangst, so dass er morgens erst einmal ein Glas Wein zu sich nahm, bevor er auf das Gerüst stieg um in 19m Höhe seine Bilder auf die Decke zu malen. Natürlich nahm er die restliche Weinflasche mit...
Den "Leuchtturm" von Church Point habe ich dann auch nur der Vollständigkeit halber fotografiert.
Gewissermaßen als Kontrast zum Leuchtturm von Church Point besuchten wir noch Gilbert´s Cove, weil der dortige kleine Leuchtturm einfach sehenswert ist. 

Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich Annapolis Royal. Genug Zeit also, eine der ältesten europäischen Siedlungen Kanadas zu erkunden. Mitten in der Stadt ist beispielsweise das historische Fort Anne zu besichtigen. Während die Außenanlagen frei zugänglich sind, muss für das im Haupthaus untergebrachte Museum zu Stadtgeschicht ein kleiner Eintritt entrichtet werden. Zudem gibt es vor Ort mit den Annapolis Royal Historic Gardens eine weitere Attraktion, die wir jedoch nicht aufgesucht haben.
Nicht weit entfernt von dem Ort befindet sich ein Gezeitenkraftwerk, dass bereits in den 1980er Jahren seinen Betrieb aufgenommen hat und den gigantischen Tidenhub der Bay of Fundy ausnutzt.

21.08.2012 Annapolis Royal liegt am Ufer des Flusses Annapolis. Auf der gegenüber liegenden Flusseite befindet sich mit Port Royal dann auch die älteste europäische Siedlung auf kanadischem Boden. Das 1605 gegründet französische Fort wurde bereits 1613 durch die Briten niedergebrannt. Heute befindet sich eine nach den Originalplänen vorgenommene Rekonstruktion des befestigten Handelspostens an dem Standort, dass als Freilichtmuseum besichtigt werden kann. Alle Räume sind ausgestattet und zugänglich. Wer Glück hat, erhält auch vom Museumspersonal eine kleine Vorführung mit den historischen Geräten. So wurde uns zum Beispiel vorgeführt, wie die Holzschindeln in Handarbeit hergestellt wurden, mit denen die Gebäude eingedeckt wurden.

Nur unweit des Forts befindet sich ein weiterer Leuchtturm. Nach einem kurzen Aufenthalt dort überquerten wir den Bergrücken, der dass Flusstal des Annapolis von der Bay of Fundy trennt und besuchten Delaps Cove. Diesem Hafen sahen wir bei Ebbe.
Ein örtlicher Reiseführer wies auf einen nahen Wasserfall hin, der eine Reise wert sein sollte. Tatsächlich war vor Ort der Wasserfall ausgewiesen. Die Anfahrt sollte jedoch mit einem geländetauglichen Fahrzeug unternommen werden, da die Strecke nur mit Schotter befestigt wurde und zudem einige erhebliche Steigungen aufweist. Am Parkplatz angekommen, beginnt ein kurzer, gut ausgebauter Rundwanderweg zum Wasserfall. Zu Beginn geht man aussschließlich durch den Wald, so dass der Weg nur wenig spektakulär erscheint. Dies ändert sich jedoch schlagartig, sobald man die felsige Küste erreicht. Hier lädt manche Stelle dazu ein, innezuhalten und die großartige Landschaft auf sich wirken zu lassen. Der Wasserfall selbst ist - nun ja - bestenfalls ein Wasserfällchen.

22.08.2012 An diesem Tag folgten wir dem Evangeline Trail durch das Tal des Flusses Annapolis ostwärts. Das Annapolis Valley liegt wettergeschützt zwischen zwei Bergrücken und weist einen sehr fruchtbaren Boden auf, der hauptsächlich für den Obstanbau genutzt wird. Am östlichen Ende des Tales befindet sich zudem ein Weinanbaugebiet, dessen Weine gerade in den letzten Jahren stark an Qualität hinzugewonnen haben. Unsere Übernachtungsstation war die Stadt Wolfville, die auch Sitz der Acadia Universität ist. Nachdem wir eine preiswerte Unterkunft (diesmal eine kleine Ferienwohnung) gefunden hatten, reisten wir noch kurz in das nicht weit entfernte Halls Harbour. Gegen Abend kehrten wir nach Wolfville zurück und begaben wir uns in die Stadt und aßen in einem Pub zu Abend, der auch über eine eigene kleine Brauerei verfügte. Als eigenes Bier der Saison wurde ein "Kolsch" angepriesen. Als wir den Bedienung noch vor der Bestellung mitteilten, dass uns beiden Kölsch nicht unbekannt ist, ruderte Sie ob der Qualität des eigenen angebotenen Bieres doch schnell zurück. Mit recht, wie sich herausstellte.

23.08.2012 Der Hafen von Halls Harbour führt einem auf eindrucksvolle Weise die erheblichen Gezeitenunterschiede der Bay of Fundy vor Augen, obwohl an diesem Ort noch nicht einmal der größte Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut in der Region liegt. Anhand einer Gezeitentabelle aus einem örtlichen Informationheft wussten wir, wann in Halls Harbour der Höchststand der Flut erreicht wurde. Daher haben wir am Vortag gegen abend noch schnell einen Abstecher dorthin gemacht, um den Hafen bei Flut in Augenschein zu nehmen und erste Fotos zu machen. Angesichts eines Tidenhubs von durchschnittlich 12m läuft das Hafenbecken bei Ebbe regelrecht aus, so dass man durch das leere Hafenbecken und aus dem Hafen hinaus spazieren kann. Persönlich war der Besuch in Halls Harbour für mich ein Höhepunkt der Reise. An diesem morgen war es leider zunächst noch recht diesig, aber im Laufe unsere Aufenthaltes klarte es merklich auf, so dass uns doch noch die erhofften Vergleichsbilder zwischen Flut und Ebbe gelangen.
Nachdem wir in Halls Harbour einige Zeit verbracht hatten, setzen wir uns in den PKW und begaben uns nach Blomidon. Der dortige Sandstrand erscheint topfeben, ist aber nur bei Ebbe zugänglich. Hier kann man geradezu beobachten, wie die Flut herannaht.
Im Verlauf des Tages besuchten wir zwei weitere trockengelegte Häfen bei Cape Split und Delhaven. Außerdem kamen wir einem Aussichtspunkt mit dem sehr kreativen Namen The Look-Off vorbei, der in der Tat einen weiten Blick über das Minas Basin, den südlichen Ausläufer der Bay of Fundy, bietet.
Nachmittags kehrten wir kurz nach Wolfville zurück, bevor wir nach einem kleinen Stadtrundgang nach Halifax zurück kehrten.

24.08.2012 Aufgrund des guten Wetters entschlossen wir uns, nochmals in das nur rund 45 km entfernte Peggy´s Cove zu fahren, damit wir den meistfotografierten Leuchtturm der Region ebenfalls bei Sonnenlicht sehen konnten. Vor Ort stellten wir dann fest, dass Arbeiter gerade dabei waren, den Leuchtturm abzuschleifen, damit er neu gestrichen werden konnte. Nun gut, auch dass ist ein Fotomotiv. Insbesondere dann, wenn Stefan - von mir unbemerkt - mit der Perspektive spielt :o).
Während wir den gesamten Vormittag damit verbrachten, über die Granitfelsen von Peggy´s Point zu klettern und die Brandung zu bewundern, ergab sich noch manche Gelegenheit, interessante oder einfach nur kuriose Bilder zu machen.

25. - 26.08.2012 In diesen Tagen standen neben einem erneuten Spaziergang entlang der Harbourfront einige private Termine an. Samstags war ich in privatem Rahmen eingeladen, Sonntags besuchte ich eine Veranstaltung der örtlichen "Jules Verne Fantasic Society": Das Time Travellers Picnic in den Public Gardens. Im Anschluß erhielten die Teilnehmer eine sehr private Führung durch eine Sonderausstellung von berühmten Filmkostümen des örtlichen Naturkundemuseums.

27.08.2012 Montags setzten wir mit der Fähre von Halifax in das benachbarte Dartmouth über. Meine Hoffnung, einen interessanten Blick quer über die Bucht auf die Skyline von Halifax zu erhalten, erfüllte sich leider nicht. Da wir erst mittags losgefahren waren, stand die Sonne genau über der Stadt, so dass das Licht für Fotoaufnahmen alles andere als günstig war. Merke: Besser früh morgens fahren. 
Nur unweit der Innenstadt befindet sich mit dem Point Pleasant Park ein wichtiges Naherholungsgebiet, den wir nachmittags besuchten. Zahlreiche Spazierwege hier laden zum gemütlichen Flanieren ein. Zudem sind Reste mehrerer alter Befestigungsanlagen zu besichtigen, die den zu allen Zeiten strategisch wichtigen Naturhafen der Stadt schützen sollten.
Der Hurrikan Juan verwüstete den Park 2004 in erheblichem Maße, so dass er für einige Monate zwecks Aufräumarbeiten geschlossen werden musste. Nach heute zeugen zahlreiche abgestorbene Bäume von den Schäden, auch wenn sich die Natur inzwischen wieder erholt hat.

28. - 29.08.,31.08.2012 Stefan hatte während meines Aufenthaltes ein Haus in Digby übernommen, so dass wir die folgenden Tage damit verbrachten, das Haus ein wenig herzurichten. So wurden diese Tage weniger touristisch genutzt, obwohl wir auch den Ort Digby abends erkundeten. Die Hafenstadt bereitete sich unübersehbar (und vor allen Dingen unüberhörbar) auf ein großes Event am Wochenende vor, dass wir ebenfalls besuchen wollten...
Nachdem die gröbsten Arbeiten erledigt waren, fuhren wir noch zu einem nahegelegenden Leuchtturm, der am Eingang des Annpolis Basin an der Bay of Fundy steht. Hier spazierten wie einwenig über die örtlichen Basaltfelsen, genossen die Aussicht und beobachteten eine Robbe bei der Nahrungssuche.

30.08.2012 Bereits an anderer Stelle wurde beschrieben, dass in der Bay of Fundy ein erheblicher Gezeitenunterschied besteht. In Folge dessen werden täglich gigantische Mengen Wasser bewegt, so zahlreiche Nährstoffe mitgeschwemmt werden. Der daraus resultierende Nahrungsreichtum führt dazu, dass insgeamt fünf Walarten zu den regelmäßigen Besuchern der Region zählen. Daneben gibt es eine erstaunliche Vielfalt an Seevögeln. Zudem sind Robben und Delfine ebenfalls in größer Zahl anzutreffen.
Kein Wunder also, dass vor Ort zahlreiche Whale-Watching-Touren angeboten werden. Nach kurzer Vorbereitung entschied ich mich, eine Tour zu unternehmen, die von einer der vorgelagerten Inseln des Digby Neck startete. Nachdem wir also zweimal mit der Fähre übergesetzt haben (Den ersten Wal konnten wir bereits vom Fähranleger aus sehen), bestieg ich auf Brier Island ein kleines Fischerboot, dass in die Bucht hinausfuhr. Stefan hatte in der Vergangenheit bereits eine Whale-Watching-Tour unternommen und nutzte die Zeit, in meiner Abwesenheit Brier Island und dessen Leuchttürme zu erkunden.
Nach rund einer Stunde Fahrt wurde es spannend: Ein Mitreisender hatte am Horizont den typischen Walatem ausgemacht, so dass wir alle gespannt in die angegebene Richtung blickten. Und tatsächlich: Dort tat sich etwas. Unser Bootsführer hielt auf den angegebenen Bereich zu und schon bald wurde unser Boot von zwei großen Buckelwalen begleitet, von denen sich ein weiblicher Wal namens "Sockeye" als echter Entertainer erwies. Insgesamt hielt sich "Sockeye" fast zwei Stunden in unserer Nähe auf, was uns Gelegenheit zu zahlreichen Fotos gab.
Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch die Umstände der Whale-Watching-Tour kurz dokumentieren.

Auf der Rückfahrt besuchten wir noch eine weitere Sehenswürdigkeit der Gegend: Den Balancing Rock.
Dabei handelt es sich um eine gut 6 Meter hohe, schmale Basaltsäule, die scheinbar jeden Augenlick in das Meer zu stürzen droht, weil sie nur knapp über der Hälfte auf einem anderen Felsen steht. Man gelangt zu dem Felsen von einem ausgeschilderten Parkplatz über einen gut ausgebauten Wanderweg, der gegen Ende in eine scheinbar nicht enden wollende Treppe zur Küste hinunter übergeht. Da der Wanderweg durch den dichten Wald führt, hat man das Ziel bis zum Schluss nicht vor Augen. Deser Felsen ist ein kleines Naturwunder der besonderen Art und in jedem Fall die kurze Wanderung (und zahlreichen Stufen) wert, auch wenn bei unserem Besuch der Küstenabschnitt aufgrund des fortgeschrittenen Nachmittags bereits im Schatten lag. Auch hier gilt also: Wegen des besseren Lichts besser vormittags hinfahren.
Gegen Abend kehrten wir nach Digby zurück.

01.09.2012 In Digby findet seit 2004 jedes Jahr am letzten Wochenende vor dem Labour Day (4. September) die sogenannte "Wharf Rat Rally", das größte Motorradtreffen der kanadischen Atlantikprovinzen, statt. Dabei strömten in 2012 rund 60.000 Besucher in den Ort, der selbst nur rund 2.100 Einwohner hat. Auch die Zahl der Motorräder konnte sich sehen lassen: Die Organisatoren schätzen, dass auch in diesm Jahr wieder über 20.000 Motorräder an dem Wochenende in der Stadt waren. Um die Kräder alle unterzubringen, wurden eigens einige Straßen der Stadt für den Durchgangsverkehr gesperrt. Bei schönstem Wetter flanierten wir durch die zahlreichen abgestellten Motorräder, die alle für den großen Tag besonderes herausgeputzt wurden.

Natürlich wird bei solche hohen Besucherzahlen auch ein umfangreiches Rahmenprogramm geboten. Neben einem kleinen Markt und mehreren Live-Konzerten wurde im Hafenbereich auch ein Speedboatrennen veranstaltet. Impressionen der Wharf Rat Rally befinden sich in einer Bilderstrecke am Ende dieses Artikels.

Wir entschlossen uns, am späten nachmittag die Rückreise nach Halifax anzutreten.

02.09.2012 Das Museum Pier 21 in Halifax befasst sich mit der Einwanderungsgeschichte Kanadas. An historischer Stelle (An dem Pier 21 legten die Schiffe an, die die Einwanderer in das Land brachten) werden die verschiedenen Phasen der Einwanderung bis nach dem 2. Weltkrieg beleuchtet.
Des weiteren machten wir einen erneuten Stadtrundgang. Unter anderem hatte ich mir vorgenommen, die St.Mary´s Basilika und das Government House zu fotografieren. An beiden Gebäuden bin ich zuvor während meines Urlaubs etliche Male vorbeigegangen.

03.09.2012 packen, packen, packen (...und abends zum Abschied nochmal in das "Henry House")

04.09.2012 Da ich bereits am Vortag meine Koffer soweit gepackt hatte, blieb mir angesichts des abendlichen Fluges noch Zeit, ein paar Punkte in Halifax zu besichtigen.
Der Friedhof Fairview Lawn ist die mit Abstand größte Begräbnisstätte der Opfer des Untergangs der Titanic in Halifax. Weitere Opfer, die ebenfalls aus dem Atlantik geborgen wurden, sind auf zwei weiteren Friedhöfen der Stadt beigesetzt. Nicht alle Opfer konnten eindeutig identifiziert werden, so dass mancher Grabstein lediglich den Vermerk "Verstorben am 15.April 1915" gefolgt von einer Identifikationsnummer trägt. Noch heute werden vereinzelt noch Leichnahme mittels DNA-Analyse bestimmt. So kommt es, dass der Grabstein des unbekannten Kindes (an dem bis heute Spielsachen abgelegt werden) seit kurzem mit einer Namenstafel versehen ist.

Das System zur Erfassung der Todesopfer der Titanic sollte sich wenige Jahre später als hilfreich im Umgang mit den rund 2.000 Opfern der verheerenden Explosion von Halifax am 06.Dezember 1917 erweisen. Auf dem Rückweg von dem Friedhof legten wir einen kurzen Stop bei einem Denkmal ein, dass einem die Auswirkungen dieser Explosion eindrucksvoll vor Augen führt. Nur unweit des Armdale Kreisverkehrs liegt an der Kreuzung Anchor Drive und Spinnaker Drive ein Ankerfragment, dass etwa eine halbe Tonne wiegt. Dieses schwere Stück Metall wurde durch die Explosion im Hafen rund 3,8 km weit weg geschleudert und ist heute am damaligen Fundort ausgestellt.
Am späten Nachmittag brachte mich Stefan dann zum Flughafen. Ein dreiwöchiger abwechslungsreicher Urlaub ging damit zu Ende.

Impressionen von der Wharf Rat Rally 2012: