2015 Florida

Ein gemeinsamer Urlaub, ab in die Sonne: Warum nicht mal nach Florida?

18.10.2015 Weil wir uns recht spät dazu entschlossen hatten, waren nicht mehr allzu viele preisgünstige Flüge verfügbar. Wir flogen mit Iberia und mussten in Madrid umsteigen.

Im Miami angekommen, waren die Einreiseformalitäten trotz gültiger Papiere etwas umständlicher als angenommen, so dass wir recht spät zu unserem Gepäckband kamen. Der Flug war quasi bereits abgefertigt, die übrig gebliebenen Koffer standen bereits neben dem Band. Meinen Koffer konnte ich unter den wenigen Exemplaren schnell ausmachen, aber den Koffer meiner Frau suchten wir vergebens.

Bei der Gepäckermittlung erwartete ich dann irgendwie die verstreckte Kamera. Der Schalter bestand aus einem mobilen Pult vor Kopf des Gepäckbandes. Ein Mitarbeiter, der mich unentwegt an den verstorbenen Komiker Marty Feldman erinnerte, griff in ein Fach unter der Schreibfläche und holte ein verzerrtes, gesprenkeltes und kaum zu lesendes Formular hervor. Es war offensichtlich bereits etliche Male kopiert worden, wobei das jeweils letzte Exemplar als Vorlage für die neue Serie diente. Darauf legte er ein Kohlepapier, um ein zweites verzerrtes Formularblatt darauf zu legen. Dies habe ich so bestimmt seit über 20 Jahren nicht mehr gesehen. Aufgrund seiner offenkundigen Sehschwäche beugte er sich dann so tief über das Papier, dass er im Prinzip auch mit seiner Nase hätte schreiben können. Da er meinen irritierten Blick bemerkte, kommentierte er dies wie folgt: "Ich weiß genau, wie das jetzt aussieht. Aber wir kämpfen schon seit zehn Jahren darum, hier unten einen Computer-Anschluss zu erhalten" Wohlgemerkt: Wir waren auf dem Miami International Airport angekommen und nicht auf einem kleinen Provinzflughafen.

Nach unserer Verlustanzeige fuhren wir mit dem Taxi in unser kleines Hotel in Miami Beach. Gegenüber befand sich praktischerweise ein Drogeriemarkt, der 24 Stunden geöffnet hatte, so dass sich meine Frau mit den nötigsten Artikeln eindecken konnte.

19.10.2015 Wie gut, dass wir im Handgepäck stets einen Satz Wäsche für den ersten Tag mitführen. Da absehbar war, dass wir den vermissten Koffer nicht sofort erhalten würden, nutzen wir den Tag für einen kleinen Einkaufsbummel in Miami Beach. Unser Hotel lag mitten im Art-Deco-Viertel, so dass der Einkaufsbummel durchaus auch an den interessanten Häusern vorbeiführte.

Natürlich spazierten wir auch zum Strand, der keine 100m vom Hotel entfernt lag.

20.10.2015 Nach dem Frühstück telefonierte ich nochmals wegen des Koffers mit dem Flughafen. Leider konnte man mit noch nichts sicheres über den Verbleib des Koffers sagen. Wir sollten aber mittags unseren Mietwagen übernehmen, mit dem wir nach Key West fuhren. Nach dem geplanten Aufenthalt in Key West konnte ich keine Hoteladresse mehr angeben, da unsere Mietwagenrundreise wie üblich eher spontan verlaufen sollte. Es sollte also in Bezug auf den Koffer noch spannend werden.

Immerhin konnten wir der Sache noch etwas positives abgewinnen: Da ein Koffer fehlte, mussten wir auch mit einem Koffer weniger mit dem Bus zur Vermietstation fahren. Diese lag mitten in der Stadt, so dass ich ein wenig ins kalte Wasser geworfen wurde. Wenigstens stellte mich das Fahrzeug, ein VW Beetle, nicht vor Rätsel.

Ich bin zwar schon in Kanada mehrfach Auto gefahren, aber dies war das erste Mal, dass ich die Fahrt mitten in einer - noch dazu mir unbekannten - Großstadt begann. Meine Sorgen waren aber unbegründet. Das Land ist für das Autofahren gebaut und die Hinwiese auf den Highways sind ausreichend früh aufgestellt, so dass man einigermaßen stressfrei auf die richtige Fahrspur einfädeln kann. Das generelle Tempolimit trägt ebenfalls zum entspannten Fahren bei.

So fuhren wir gemütlich über den Overseas Highway bis nach Key West. Unser Hotel in Key West erwies sich als Volltreffer. Gemütliche Zimmer und Zugang zu einem kleinen hoteleigenen Badestrand.

Gegen Abend erreichte mich dann eine SMS. Der vermisste Koffer war inzwischen gefunden worden und sollte am nächsten morgen mit einem Flug nach Key West weitergeschickt werden.

21.10.2015 Früh morgens stand ich also auf und fuhr zum Flughafen, um den Koffer in Empfang zu nehmen. Auf der gesamten Insel laufen Hühner frei herum. So war es auch kein Wunder, dass ich als erstes Hahnengeschrei vernahm, als ich unseren Mietwagen vor dem Flughafen parkte.

Dem Codezettel unseres Koffer entnahmen wir, dass er mit einem Direktflug von Düsseldorf nach Miami gesandt wurde. Dies lässt uns vermuten, dass der Koffer nicht beim Umladen in Madrid verloren ging, sondern in Düsseldorf gar nicht erst eingeladen wurde.

Mit dem Koffer zurück im Hotel hieß es erst einmal Frühstücken und auspacken. Trotz des unverhofften Shoppings in Miami Beach war meine Frau doch froh, ihre eigenen Sachen wieder zu haben.

Meine Frau wollte das Badewetter im Hotel ausnutzen. Ich nutzte den weiteren Tag und spazierte bei hochsommerlichen Temperaturen zum Badestrand im Fort Zachary Taylor Historic State Park. Natürlich durfte eine Besichtigung des gleichnamigen Forts nicht fehlen.

Weiter schloss ich dem Leuchtturm der Insel, das direkt gegenüberliegende Haus des Literaturnobelpreisträgers Ernest Hemingway und den Beginn des Highway Nr. 1 sowie den Friedhof der Stadt in meinen Rundgang ein. Bei soviel Sightseeing habe ich aber darauf verzichtet, den Leuchtturm oder Hemingways Haus von Innen zu besichtigen. Ersterer wurde gerade saniert, letzteres war mir einfach zu überlaufen und zugegebenermaßen auch zu teuer. Der Friedhof hingegen ist kostenlos, aber aufgrund der zuweilen lustigen Grabinschriften ("Wenigstens weiss ich, wo er diese Nacht schläft") einen kurzen Besuch wert.

22.10.2015 Das Wetter war einfach zu schön. Also legten wir einen gemeinsamen Badetag ein.

23.10.2015 Leider mussten wir die Insel wieder verlassen. Über den Overseas Highway fuhren wir zurück auf das Festland. Natürlich machten wir unterwegs zahlreiche Pausen, um die Landschaft ein wenig zu genießen. Auf dem Festland wandten wir uns nach Norden, weil wir für den Folgetag einen Besuch im Kennedy Space Center auf Cape Canaveral geplant hatten. Folgerichtig suchten wir eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe, die wir schließlich in Cocoa Beach fanden. Wir waren für einen Abendspaziergang am Strand noch früh genug dort. Und da Ron Jon´s Surf Shop quasi neben unserem Hotel war, warfen wir noch einen Blick in diesen faszinierenden Laden.

24.10.2015 Der Besuch des Kennedy Space Centers hinterließ bei mir einen durchwachsenen Eindruck. Die Anlage ist eher ein Freizeitpark, als ein echtes Museum. Andererseits ist Cape Canaveral eine in Betrieb befindliche Anlage, so dass man auch nicht erwarten kann, dass Heerscharen von Besuchern durch aktive Hallen laufen dürfen. Man erhält aber Gelegenheit, mit dem Bus über das Gelände zu fahren, um die Montagehallen, Abschussrampen und ähnliches zu sehen. Leider hält der Bus an nur ganz wenigen Stellen an. Die Möglichkeit dort  auszusteigen besteht gar nicht. Gerne hätte ich zum Beispiel mir eine Abschussbasis, die gerade für eine Space-X-Rakete vorbereitet wurde, oder die riesige mobile Plattform, die einst zum Transport die gigantischen Saturn-V-Raketen für die Mondmissionen diente, etwas länger angesehen. So blieb nur die Möglichkeit, einige hektische Fotos durch die Scheiben des Busses zu machen, wodurch die Bildqualität insgesamt eher mäßig ist.

Wenn man den Park betritt, stehen einem verschiedenste Freizeitmöglichkeiten offen, die sich aber im wesentlichen kaum von den üblichen Fahrgeschäften eines Freizeitparks unterscheiden, wenn man von der eingangs beschriebenen Busfahrt und dem ausgestellten Space-Shuttle einmal absieht. Einzig der Weltraum ist das übergreifende Thema des Parks. So werden beispielsweise IMAX-Filme gezeigt und ein Raketenstart oder eine Marsmission "simuliert". Für technisch Interessierte kann man durch den "Rocket Yard" gehen, in dem einige der kleineren Raketen der NASA aus früheren Raumfahrtprogrammen ausgestellt sind. Dominiert wird dieser Teil des Kennedy Space Centers aber von einem Modell der Space-Shuttle-Rakete, die am Eingang einer Halle steht, in der die Raumfähre "Atlantis" ausgestellt ist. Die Präsentation des Space-Shuttles selbst ist natürlich entsprechend pathetisch geraten. Immerhin kann man durch eine geschickte Besucherführung das Shuttle aus allen erdenklichen Winkeln betrachten.

An dieser Halle starten auch die Busse, die die Besucher nach einer Rundfahrt über das Gelände des zu einer weiteren Halle bringen, in der eine Saturn-V-Rakete ausgestellt ist. Auf älteren Bildern des Parks liegt die Rakete - nach Stufen aufgeteilt - noch unter freiem Himmel. Vor einigen Jahren hat man eigens eine Halle dafür gebaut. Dort werden jetzt die Mondmissionen ausgiebig mit Hilfe moderner Multimediatechnik und entsprechendem Pathos gefeiert.

Gegen Abend kehrten wir in unsere Unterkunft nach Cocoa Beach zurück.

25.10.2015  An diesem Tag fand ein Marathonlauf in Cocoa Beach statt, so dass der halbe Ort gesperrt war. Unser Hotel lag inmitten des Laufgebietes. In der Folge standen wir extrem früh auf, damit wir das Hotel vor Beginn der Veranstaltung noch verlassen konnten. Dies kam mir aber auch entgegen, weil wir an diesem Tag eine längere Autofahrt geplant hatten. Unser Tagesziel hieß Sanibel Island im Golf von Mexiko. Dafür mussten wir Florida einmal durchqueren und die Großstadt Orlando mit ihren zahlreichen Freizeitparks passieren.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Sanibel Island und fanden schnell eine preisgünstige Unterkunft am Strand. Diesen nutzen wir sogleich und konnten am frühen Abend sogar einige Delfine vom Ufer aus beobachten. Wir genossen dies bis zum Sonnenuntergang. 

26.10.2015 Unser Hotelzimmer war eigentlich ein Appartement mit einer kleinen Küche. Statt eines gemeinschaftlichen Frühstücksraums wurde uns jeden morgen ein kleiner Frühstückskorb auf das Zimmer geliefert. Ein netter Service.

Im Anschluss liehen wir uns zwei Fahrräder vom Hotel und fuhren damit über die Insel. Auf der Nordseite befindet sich ein kleiner Nationalpark, mit einer flachen Meeresbucht. Dort sollte es auch einige Exemplare der seltenen Seekühe (Manatees) geben. Statt dessen sahen wir einige Pfeilschwanzkrebse am Ufer. Fahrradfahren sind auf der Insel leicht zu bewältigen, weil die Insel keine nennenswerten Steigungen aufweist. So fuhren wir auch den Leuchtturm an, der aber eine einfache Stahlkonstruktion und daher nicht ernsthaft als sehenswert einzustufen ist.

Als ich unterwegs die Werbetafel eines örtlicher Schnellimbisses sah, musste ich lauthals loslachen. Wir kamen an einem Lokal mit dem Namen "Schnapper´s Hots" vorbei, der nach eigenen Angaben, die weltbesten Hotdogs verkaufte. Nun gibt es in den Scheibenweltromanen des inzwischen leider verstorbenen Autors Terry Pratchett die wiederkehrende Figur eines meist erfolglosen Straßenhändlers namens Schnapper, der jedem Hotdogs aus seinem Bauchladen verkaufen möchte. Allerdings will niemand so genau wissen, was zur Herstellung der Hotdogs tatsächlich verwendet wurde, obwohl der Händler seine Ware stets in den höchsten Tönen lobt. Obwohl der Verkäufer des realen Imbiss auf Sanibel Island durchaus in seinem Verhalten an die Romanfigur erinnert, bin ich mir nicht sicher, ob dies nicht doch nur ein Zufall ist: Im englischen Original der Scheibenweltromane heißt der Verkäufer zum einen "Dibbler" und zum anderen lag im Lokal ein Zettel aus, demzufolge der Namensgeber ein bekanntes Original aus der Stadt Boston sei. Wie dem auch sei, ich fand unseren Besuch dort trotzdem lustig. Auch eine weitere deutsche Familie, aus der offensichtlich auch jemand die Romane kannte, hatte dort ihren Spaß.

Uns wurde für den Abend ein Restaurant auf der Nachbarinsel Captiva Island namens The Bubble Room Restaurant empfohlen. Glücklicherweise sind wir mit dem Auto dorthin gefahren, denn das bisher schöne Wetter fand mit einem heftigen Regenschauer ein jähes Ende.

27.10.2015 Obwohl der Himmel morgens stark bewölkt war und baldigen Regen verhieß, beschlossen wir, den Manatees noch eine Chance zu geben. Wir fuhren also wieder zum Nationalpark und buchten eine Rundfahrt mit dem Boot. Tatsächlich zeigte sich eines der seltenen Tiere. Auch ein Delfin begleitete unser Boot ein kurzes Stück. Ansonsten sahen wir reichlich Vögel, allem voran Pelikane.

28.10.2015 Leider mussten wir die schöne Insel wieder verlassen, da uns nur noch eine Nacht von unserem Rückflug trennte. So fuhren wir ein kurzes Stück nach Süden in die kleine Stadt Naples. Auch dort hatten wir kein Problem eine preiswerte, aber dennoch zentral gelegene Unterkunft zu finden. Der Stadtspaziergang fiel sher kurz aus, wurden wir doch von einer neuerlichen heftigen Regenschauer überrascht.

Laut Reiseführer soll der Pier von Napels in den Abendstunden besonders schön sein, zu unserer Zeit wurde er aber gerade saniert und war daher nicht zugänglich. Also bewunderten wir den Sonnenuntergang über den Golf von Mexico vom Strand aus, bevor wir in eine nehegelegene Bar gingen, um unseren gelungenen Urlaub zu feiern.

29.10.2015 Unser Rückflug war für den späten Abend angesetzt, so dass wir noch genug Zeit hatten, die Everglades zu besichtigen. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, mit dem für diese Gegend typischen Airboat durch die Landschaft zu fahren. Das Geld für die rund 90-minütige Tour war gut angelegt: Unser Bootsführer hatte mächtig Spaß bei der Sache. Außerdem hatten wir großes Glück: Es wimmelte geradezu von Alligatoren. Auch konnten wir zahlreiche Vögel beobachten.

Die Everglades ist eine riesige Wasserlandschaft, die aber in Ihrer Existenz bedroht ist. Zum einen haben sich in den letzten Jahre zahlreiche invasive Arten angesiedelt, die sich in dem unüberschaubaren Sumpfgebiet ausgesprochen wohl fühlen und der angestammten Tierwelt zusetzt. Zum anderen hat der Bau des streng in Ost-West-Richtung verlaufenden "Alligator Highways" den Wasserhaushalt der Gegend beeinträchtigt, so dass das Wasser südlich des Highways zunehmend versalzt und von Mangroven besiedelt wird, während nördlich der Trasse weiterhin das Sumpfgras die vorherrschende Pflanzenart ist.

Gegen Abend gaben wir dann unseren Mietwagen am Flughafen ab und flogen über London nach Hause. Diesmal kamen wir auch einschließlich unserer Koffer an.