2017 Nova Scotia, Prince Edward Island, New Brunswick

Anlass des Besuchs war der 50. Geburtstag eines Freundes. Herausgekommen ist eine Rundreise durch drei Provinzen Atlantik-Kanadas.

2017 feierte Kanada den 150. Jahrestag der kanadischen Verfassung mit der die kanadische Konföderation gegründet wurde, die am 01.07.1867 in Kraft trat. Es handelt sich dabei aber noch nicht um die Unabhängigkeit Kanadas, obwohl die Schaffung des „Dominion of Canada“ bereits eine gewisse Autonomie mit sich brachte. Dieser Zusammenschluss mehrerer britischer Kolonien sollte möglichen Expansionsbestrebungen Amerikas entgegen wirken. Echte politische Unabhängigkeit erlangte das Land erst während des ersten Weltkrieges. Dennoch gilt der 01.07.1867 als Gründungstag des Landes.

Den gesamten Urlaub begleiteten uns zahlreiche Hinweise auf anstehende Feierlichkeiten und noch mehr Fahnenschmuck als ohnehin üblich. Der angenehmste Nebeneffekt für uns war jedoch, dass der Besuch sämtlicher staatlicher Nationalparks und historischer Gedenkstätten in 2017 keinen Eintritt kostete.

03.06.2017 Aus meiner Sicht stellen Flugreisen ein notwendiges Übel dar, um den Zielort zu erreichen. Der Reisetag zählt daher nur bedingt als Urlaubstag. Glücklicherweise konnten wir aber vor der Abreise für einen geringen Betrag auf die Premium-Economy-Klasse aufstocken und bekamen außerdem noch die erste Reihe im Flugzeug als Sitzplatz zugewiesen. So reisten wir sehr entspannt nach Kanada. Die Landung in Halifax erfolgte kurz nach 20 Uhr Ortszeit. Im Anschluss übernahmen wir unseren Mietwagen und reisten nach Wolfville weiter. Dort kamen wir gegen 22 Uhr an und fielen sofort ins Bett. Immerhin war es nach deutscher Zeit bereits 3 Uhr morgens.

04.06.2017 Nach einem reichhaltigen Frühstück spazierten wir gemütlich durch die kleine Universitätsstadt. Leider war das Wetter eher durchwachsen. Bei einer tiefhängenden Wolkendecke und vergleichsweise niedrigen Temperaturen blieb es aber wenigstens trocken.

Wenige Kilometer von Wolfville entfernt liegt der Ort Grand Pré mit einem kleinen Park, der an die Besiedlung durch die Akadier erinnert. Dabei handelt es sich um französischstämmige Siedler, die sich aber auf ihrem Boden zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den britischen und französichen Truppen ausgesetzt sahen. Schließlich entschieden die Briten, die überwiegend unparteiischen Akadier zwangsweise umzusiedeln. Ein Gedicht namens „Evangeline“ spielt in dieser Zeit und handelt von einer jungen Frau, die Ihre Liebe Gabriel während der Deportationen verliert und sucht. Dieser fiktiven Figur ist eine Statue gewidmet, die zentral im Park aufgestellt wurde.

Nachmittags besuchten wir in Wolfville noch ein kleines Museum, bevor wir den Tag in einem örtlichen Pub ausklingen ließen.

05.06.2017 Ursprünglich hatten wir geplant, in Pictou zu übernachten, um von dort am nächsten Tag die Fähre nach Prince Edward Island (kurz P.E.I.) zu nehmen. Wir kamen aber mit unserem Mietwagen sehr gut voran und beschlossen spontan, noch am gleichen Tag über zu setzen. Den Fähranlieger erreichten wir keine Sekunde zu früh. Wir fuhren als letztes Fahrzeug auf die Fähre, anschließend legte diese sofort ab.

Im Wartebereich der Fähre, in dem ein klassischer Arcade-Automat stand,  planten wir unseren Aufenthalt auf Prince Edward Island.

Die Überfahrt nach P.E.I. dauert rund 75 Minuten und ist kostenlos. Will man die Insel allerdings wieder verlassen, wird man dann doch zu Kasse gebeten.

Kaum auf Prince Edward Island angekommen, fuhren wir zu nächstgelegenen Touristeninformation, um eine zentrumnahe Unterkunft in Charlottetown zu buchen. Wie immer, war man uns dabei sehr behilflich und telefonierte sogar mit den in Frage kommenden Vermietern für uns.

In Charlottetown froren wir erbärmlich. Die Temperaturen waren zwischenzeitlich in den einstelligen Bereich gefallen, der schneidende Wind tat dazu ein übriges. Unser erster Stadtspaziergang fiel daher recht kurz aus. Stattdessen fanden wir in einem örtlichen Brauhaus Zuflucht, in dem wir aber erst einmal Tee orderten.

06.06.2017 In unserer Unterkunft war die Heizung bereits abgestellt worden. Nach einer – nennen wir es mal – „erfrischenden“ Nacht trafen wir uns zum gemeinsamen Frühstück in der Küche des Altbaus. Uns war zwar am Vortag schon aufgefallen, dass der Fußboden im Raum etwas schräg verlief, aber am Tisch sitzend bemerkten wir erst, wie stark der Boden tatsächlich geneigt war. Wie dem auch sei, es sorgte für reichlich Unterhaltungsstoff am Frühstückstisch.

Die entscheidende Konferenz zur Gründung der kanadischen Konföderation fand 1864 im Parlamentsgebäude der Stadt, dem Province House, statt. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs wurde das Gebäude aber gerade saniert. Wir hatten unsere Zweifel, ob die Sanierungsarbeiten zum Jahrestag des Inkrafttretens des British North America Acts am 01.Juli, dem kanadischen Nationalfeiertag, abgeschlossen sein würden. Um den Besuchern der Stadt dennoch etwas zu bieten, hatte man im benachbarten Confederation Centre of the Arts, einem schmucklosen Betonbau, eine Replik des Konferenztisches aufgestellt. Zudem konnte man sich einen Film über die Charlottetown-Konferenz ansehen.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass ausgerechnet die Provinz, in der die entscheidende Konferenz zur Gründung der kanadischen Konföderation stattfand, dieser erst vier Jahre später beitrat.

Im Laufe des Tages klarte es dann merklich auf, so dass wir einen Spaziergang entlang des Hafens und durch die Altstadt unternahmen. Den Abschlussspaziergang machten wir durch den Victoriapark, in dem auch das Government House, der Amtssitz des Gouverneurs, liegt.

07.06.2017 Für diesen Tag hatten wir eine Rundreise angesetzt, zumal das Wetter inzwischen deutlich freundlicher war. Nach dem Frühstück fuhren wir zur Nordküste der Insel und spazierten über den nahezu menschenleeren roten Sandstand des Prince Edward Nationalparks bei Dalvay.

Das eigentliche Tagesziel war Cavendish, die Heimat der im englischsprachigen Raum sehr berühmten Autorin Lucy Maud Montgomery. Ihre Bücher  über „Anne of Green Gables“ sind dort in etwa so bekannt wie hierzulande „Pippi Langstrumpf“ von Astrid Lindgren. Die Geschichte des selbstbewussten, rothaarigen Mädchens, die als Waise zu den unverheirateten Geschwistern Matthew und Marilla geschickt wird, obwohl diese eigentlich einen Jungen erwartet hatten, der ihnen auf dem Hof helfen sollte, wurde zudem mehrfach verfilmt. Da die Geschichte auf Prince Edward Island spielt, kann das Haus mit den Grünen Giebeln, das als Kulisse für eine – im englischen Sprachraum – berühmte Verfilmung diente, unweit der Ortschaft Cavendish besichtigt werden. Natürlich machten auch wir eine Besichtigung und schlossen einen Spaziergang durch den „Verwunschenen Wald“ an. Einzig, dass wir hierzu einen Golfplatz überqueren mussten, störte dann doch die Illusion.

Nachmittags fuhren wir weiter die Küste entlang und besichtigten kurz den Leuchtturm von New London Range und den dortigen Sandstand, bevor wir uns nach Darnley begaben, um dort den „Teapot Rock“ zu sehen. Dies erwies sich als etwas problematisch, weil Fotos dieses Felsens zwar in jedem Prospekt zu finden sind, der Felsen aber vor Ort gar nicht ausgeschildert ist. Nachdem wir uns vor Ort durchgefragt hatten, standen wir am späten Nachmittag vor dem Felsen, der allerdings auch nicht ohne weiteres Erreichbar ist. Auf eine kleine Klettertour, die mir sicherlich bessere Bilder ermöglicht hätte, habe ich dann aufgrund des falschen Schuhwerks verzichtet.  

08.06.2017 Unseren letzten Tag auf P.E.I. fuhren wir die Südküste entlang. Nach einem kurzen Halt am Blockhause Point Leuchtturm, der am Hafeneingang von Charlottetown liegt, fuhren wir zur Confederation Bridge, die Prince Edward Island mit New Brunswick über eine Distanz von 12,9 km verbindet. Will man die Insel verlassen, wird man zur Kasse gebeten: Die Fahrt nach New Brunswick ist mautpflichtig, in der Gegenrichtung wird kein Maut erhoben.

Nachdem wir die Brücke überquert hatten, wollten wir aus der Gegenrichtung ein paar Fotos machen. Ein Warnschild auf der Insel Trenholme, demzufolge eine Schwarzbärin mit Nachwuchs in der Gegend sei, veranlasste uns dann aber nur zu einigen Bildern vom Straßenrand aus, anstatt die Wanderwege zu den offiziellen Aussichtspunkten zu nutzen.

Spontan überlegten wir, dass das Tagesziel die Stadt Moncton ist. Dort angekommen, fanden wir schnell ein preisgünstiges B&B in Innenstadtnähe. Bevor wir jedoch die Stadt erkundeten, hatten wir noch ein anderes Ziel. Die „Honeywell Rocks“ in der Bay of Fundy. Etwa 40km südlich von Moncton haben die enormen Gezeitenkräfte der Bucht sehr beeindruckende Felsformationen geschaffen. Einige einzeln stehende Felsen haben aufgrund der sehr schmalen Basis und der obenauf befindlichen Vegetation den Namen „Blumentopffelsen“ erhalten. Natürlich ließen wir uns dies nicht entgehen, mussten aber abends noch dorthin, weil zu diesem Zeitpunkt Ebbe herrschte und die Felsen zu Fuß über den trocken liegenden Meeresgrund erreichbar waren.

Nach einem Restaurantbesuch in Monctons Innenstadt verbrachten wir den weiteren Abend in einem netten Irish Pub bei Livemusik.

09.06.2017 Ein verregneter Tag, über den es eigentlich nicht viel zu sagen gibt. Aufgrund der Witterung hatten wir uns dagegen entschieden, die Gezeitenwelle zu sehen, die zweimal täglich über den Fluss der Stadt läuft. Immerhin hatten wir das als „Tidal Bore“ bekannte Phänomen bereits während unseres letzten Kanadaurlaubs 2014 an anderer Stelle beobachtet. Als wir nach Süden fuhren, sahen wir das Schauspiel dennoch: Just in dem Augenblick, als wir den Fluss auf einer Brücke überquerten, lief die Welle unter der Brücke hindurch.

Wir fuhren mit dem PKW weiter durch den Nationalpark Fundy und nahmen unterwegs einige für diese Gegend typischen gedeckten Holzbrücken in Augenschein. Gegen Nachmittag erreichten wir während eines heftigen Gewitters die Stadt Saint John.

Auch hier war es kein Problem, eine Unterkunft zu finden. Das B&B zeichnete sich durch eine zentrale Lage, eine etwas eigenwillige Einrichtung und sehr nette Bewirtung aus. Unser Zimmer war eigentlich eine Suite. Es verfügte über ein historisches Bett, das so hoch war, dass vorsorglich zwei Stufen bereit standen.

Bereits auf unserer Kanadareise 2003 hatten wir Kleinbrauereien schätzen gelernt. Inzwischen hat die Craftbeer-Bewegung offenbar Ihren Höhepunkt erreicht. Nahezu jedes Lokal, dass wir auf unserer Reise aufsuchten, bot verschiedene lokale Biere – oft in erstaunlichen Geschmacksrichtungen – an. Gegen Abend besuchten wir auf den Rat unseres Vermieters hin eine Gaststätte, in der wir unter 32 lokalen und saisonalen Sorten vom Fass wählen konnten. Darüber hinaus waren weitere Flaschenbiere im Sortiment. Da wir nicht eines der angebotenen Biere kannten, versuchten wir einen Sampler, also eine Auswahl von Bieren aus kleineren Gläsern. Wir haben aber kein Bier gefunden, von dem wir wirklich überzeugt waren, allerdings haben wir die Verkostung auch frühzeitig wieder beendet.

10.06.2017 Nachdem wir am Vortag aufgrund der Witterung quasi nur die „Inside Connection“, eine Verbindung mehrerer innerstädtischer Gebäude untereinander, gesehen hatten, nutzen wir den sonnigen Vormittag zu einem kleinen Spaziergang durch die Stadt.

Im Anschluss fuhren wir mit dem Mietwagen zur Fähre, die uns quer über die Bay of Fundy nach Digby brachte.

11.06.2017 Ein echter „Faulenzertag“ bei dem wir alle das gute Wetter in Digby genossen. Gegen Nachmittag fuhren wir kurz zu dem Leuchtturm von Point Prim, um die Ankunft der täglichen Fähre von der Landseite aus zu erleben.

12.06.2017 Gut 1½ Autostunden von Digby entfernt befindet sich der 381 Quadratkilometer große Kejimkujik Nationalpark. Im wesentlichen liegt der Park im Inneren Nova Scotias, ein kleiner Teil der Küste wurde später ebenfalls zum Teil das Parks erklärt, obwohl er nicht direkt mit dem übrigen Gelände verbunden ist.

Zu den Klassikern eines Kanadaurlaubs zählt eine Paddeltour auf einem der zahlreichen Seen oder Flüsse. So auch hier: Meine Frau und ich mieteten ein Kanu und konnten schon nach kurzer Einweisung auf dem Mersey River lospaddeln und die Natur genießen. Stefan begleitete uns auf einem gemieteten Kajak. Da der Tag sehr heiß wurde, war unser Aufenthalt auf dem Wasser im durchaus angenehm.

Nachdem wir unseren Bootsausflug beendet hatten, schlossen wir einen kleinen Spaziergang zu den Mills Falls an. Dort begegneten wir einer der seltenen Amerikanischen Sumpfschildkröten. Man schätzt, dass lediglich noch 300 Exemplare in ganz Nova Scotia, davon 120 im Kejimkujik Nationalpark leben. Ein Besuch des kleinen Besucherzentrums bildete den Abschluss unseres Tagesausflugs. Dieser Tag war unbestritten der Höhepunkt unserer Rundreise.

13.06.2017 Nach dem Frühstück hieß es Abschied nehmen von Stefan. Wir fuhren mit dem Mietwagen quer durch Nova Scotia und quartierten uns in Lunenburg an der Südküste ein. Ich hatte die Stadt bereits 2012 besucht und kehrte gerne zurück. Leider fanden aber im gesamten Stadtgebiet zahlreiche Sanierungsarbeiten statt. Neben Kanalarbeiten in der Innenstadt wurden auch zahlreiche Häuser saniert. So war das B&B, in wir 2012 übernachteten, aufgrund der Baustelle nicht erreichbar. Wir fanden aber schnell eine gute Alternative. Die schwüle Hitze warteten wir im B&B ab, bevor wir gegen Abend  einen ersten Stadtspaziergang machten.

14.06.2017 Unser letzter Tag in Kanada. Nach dem Frühstück gingen wir erneut durch die Stadt, die mit den zahlreichen bunten Häusern. An vielen Häusern befindet sich ein Schild, das auf das Baujahr und der Bauherrn des Gebäudes hinweist. Eigentlich wollten wir auch die St. John’s Anglican Church von innen besichtigen, platzten aber mitten in eine Messe (Ein Pfarrer, zwei Gläubige). Das Schild an der Tür „Service in Progress“ hatten wir glatt übersehen. So beließen wir es bei der Außenansicht.

Auf der Weiterfahrt machten wir in Mahone Bay Station. Der Ort ist bekannt für die Postkartenansicht dreier Kirchen, die an einer Bucht direkt nebeneinander stehen. Wir mussten unseren Mietwagen erst am späten Nachmittag am Flughafen abgeben, so dass wir ausreichend Zeit hatten, in dem Ort das gute Wetter zu genießen.

Die Rückfahrt zum Flughafen fuhren wir noch über einige Nebenstraßen, um die Landschaft Nova Scotias noch ein wenig zu genießen. In den Abendstunden flogen wir schließlich nach Hause; Erinnerungen an eine weitere, schöne Kanadareise im Gepäck.